Auf mehreren Schultern

OP-Online 30.03.2011

Dietzenbach - Eine SPD-Fraktion, die fast die Hälfte ihrer Abgeordneten durch Abspaltung der fünf UDS-Rebellen verloren hatte. Wechselnde Abgeordnete bei der Dietzenbacher Liste und ein Parteiaustritt bei der FDP. Von Nina Beck

Hinzu kommt der Rücktritt des Grünen-Chefs, dazu ein ehemaliger Christdemokrat, der zur Bürgermeisterwahl als parteiunabhängig antrat, ein Unterstützerkreis sowie eine kriselnde CDU/FWG-Koalition – die Zeichen der Zeit, sie standen in Dietzenbach nicht erst zur Kommunalwahl auf Wandel.

Die gefürchtete Zersplitterung des Parlaments jedoch ist ausgeblieben. Im Gegenteil: Dank der großen Gewinne von WIR-BfD sowie der Grünen Dietzenbacher Liste (GDL), die jeweils auf 17,4 Prozent (acht Sitze) gekommen sind, ist das Gewicht im neuen Stadtparlament künftig auf mehrere breite Schultern verteilt.

Die Sozialdemokraten haben diesmal zehn Sitze erhalten, vor Abspaltung der UDS waren es elf gewesen. Ihnen scheinen die Querelen aus dem Jahr 2007 weniger geschadet zu haben als den Abtrünnigen, die nun als FW-UDS mit 2,8 Prozent nur noch einen Sitz im Parlament ergattern konnten.

FDP und Linke stellen je zwei Abgeordnete
Mit jeweils zwei Abgeordneten vertreten sind fortan FDP und die Linke. Das bedeutet für die Freidemokraten zwar keine Veränderung gegenüber der vorherigen Legislaturperiode, dennoch hatten sie sich mehr erhofft. Dass es am Ende zwei Sitze geworden sind, war, wie berichtet, in erster Linie den Kumulierern geschuldet, nicht jenen, die ihr Kreuzchen bei der Liste gesetzt haben.

Die Linke, erstmals angetreten, ist mit ihrem Ergebnis zufrieden, anders als die CDU, die am deutlichsten verlor und nun mit fünf Abgeordneten weniger im Parlament vertreten ist als bisher.
Ihr bestes Ergebnis mit 26,5 Prozent der Stimmen erzielte die GDL in der Kita Am Stiergraben, dort lediglich getoppt von der CDU (32,5 Prozent). Insgesamt schaffte es die neuen Wählergruppe in acht Wahlbezirken auf jeweils mehr als 20 Prozent Stimmenanteil.

WIR-BfD erhielt dagegen in sechs Wahlbezirken mehr als 20 Prozent, kann sich aber als ein Gewinner der Briefwahl sehen. Hier landete die Wählergruppe mit 20,3 Prozent nur knapp hinter der SPD (20,8) auf Rang drei; die CDU erhielt 32,8 Prozent.

Geringe Wahlbeteiligung
Während die Christdemokraten im Seniorenzentrum Siedlerstraße die meisten Wählerstimmen für sich verbuchen konnten (43,9), freuten sich die Sozialdemokraten über 34,8 Prozent im Wahllokal Kita Limesstraße. Zweimal überschritt die CDU die 40-Prozent-Marke, ihr schlechtestes Ergebnis fuhr sie mit 21,3 Prozent in der Kita Friedensstraße ein.

Die 30-Prozent-Hürde überkletterte die SPD in drei Wahlbezirken, am wenigsten Stimmen erhielt sie auf dem Hexenberg (17,1). Gäbe es im Stadtparlament eine Fünf-Prozenthürde, so wäre die FDP (4 Prozent) diesmal nicht dabei. Lediglich in fünf Wahlbezirken erhielt sie mehr als fünf, bei der Briefwahl kam sie auf 4,9 Prozent.

Ihr bestes Ergebnis mit rund 8 Prozent erzielte die Linke in der Kita Rodgaustraße; auf 6,4 Prozent als Spitzenwert brachte es die FW-UDS in der Kita Kurt-Schumacher-Allee. Bei der Briefwahl lag Letztere mit 3,7 Prozent vor der Linken (3).

Auch wenn dem einen oder anderen Kandidaten das Kumulieren und Panaschieren zu einem besseren Listenplatz verholfen haben mag – angesichts einer Wahlbeteiligung von nur 42,6 Prozent (etwa 5 Prozentpunkte unter Landesschnitt) mag man sich fragen, ob dieses Wahlsystem nicht möglicherweise zu viele Wahlberechtigte davon abhält, an die Urnen zu gehen.