Der Kreis darf nichts zuschießen

OP-Online 17.08.2011

Dietzenbach - Geht es nach dem Willen der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) dann hätte sie eher heute als morgen eine pädagogische Mittagsbetreuung. Von Simone Weil

Schon seit geraumer Zeit herrscht an der Grundschule Unmut: Denn sie ist die einzige in der Kreisstadt, die kein solches Angebot bereithält. Schon vor einem Jahr gab es nach den Sommerferien in der Einrichtung in der Altstadt deswegen lange Gesichter. Daran hat sich nichts geändert: Die DBS ist dem Ziel der Ganztagsschule keinen Schritt näher gekommen, weil eine Kantine fehlt und damit wiederum der Ausbau des Angebots in weite Ferne gerückt ist.
Die Bonhoeffer-Schule hatte erstmals 2009 einen Antrag auf pädagogische Mittagsbetreuung gestellt, also bereits nach Ablauf des Förderzeitraums für Mittel aus dem Investitionsprogramm Zukunft, Bildung und Betreuung. Und auch vom Konjunkturpaket II konnte sie nicht profitieren.
Jetzt beschäftigte sich der Haupt- und Finanzausschuss mit dem aktuellen Sachstand. „Es wäre vor allem für die Kinder fatal, wenn wir vier Grundschulen im Programm hätten und die fünfte nicht“, sagte Erster Stadtrat und Sozialdezernent Dietmar Kolmer (CDU). Die Stadtverordneten verständigten sich darauf, beim Kreis auf eine Beteiligung hinzuwirken. Vor allem die Dietzenbacher Vertreter im Kreistag seien gefragt, betonte Ausschussvorsitzende Ulrike Alex (SPD).
Jens Hinrichsen (GDL), der selbst Kinder auf der Bonhoeffer-Schule hatte, sprach von „dringendem Handlungsbedarf“. Im Vergleich zur Montessori- und zur Waldorfschule seien viele Eltern an der Bonhoeffer-Schule nicht in der Lage, „so viel einzubringen“. Hinrichsen unterstrich die Bedeutung einer Grundschule für die Integration. Eine pädagogische Mittagsbetreuung liefere letztlich auch einen Beitrag, um eine Abwanderung deutscher Kinder an Privatschulen zu verhindern.

Magistrat will politischen Druck auf Kreis ausüben

Die Schule hat beim Land die Aufnahme in das Programm „Ganztagsschule nach Maß“ („Pädagogische Mittagsbetreuung“) beantragt. Doch dafür ist eine Erweiterung der Betreuung unerlässlich. Die Kosten sind, ohne den Abbruch des Pavillons und ohne Ausstattung der Außenanlagen, auf 1,14 Millionen Euro beziffert. Insgesamt wird eine Summe von 1,5 Millionen benötigt.
Allerdings sieht die Stadt Dietzenbach die Ein-Drittel-Finanzierung des Kreises als nicht gesichert an – trotz des Kreistagsbeschlusses vom 12. Dezember 2001. Kämmerer Carsten Müller (SPD) hatte kürzlich mitgeteilt, dass der Kreis sich finanziell außer Stande sehe, weitere Schulgebäude für die pädagogische Mittagsbetreuung mitzutragen. Dann müsste die Stadt nicht nur die Finanzierung alleine tragen, sondern wäre auch für die Bauunterhaltung und die laufenden Betriebskosten zuständig.
Deswegen sollte auf den Kreis politischer Druck ausgeübt werden, damit er seine Zusagen einhält, heißt es im aktuellen Bericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung.
Politischer Druck hin oder her – mit leeren Kassen lässt sich eben nicht viel ausrichten. Zumal dem Kreis vom Regierungspräsidium Darmstadt beim Geldausgeben ganz strikt auf die Finger geschaut wird: Und eben wegen dieser Auflagen könnten die baulichen Veränderungen an der Bonhoeffer-Schule nicht finanziert werden, erläuterte Kordula Egenolf, Pressesprecherin des Kreises, auf Anfrage unserer Zeitung.