Engpässe an der Tagesordnung

OP-Online 18.10.2011

Dietzenbach -Was macht eine Erzieherin, wenn die Kollegin krank ist, sie mit den 25 Mädchen und Jungen ihrer Gruppe alleine da sitzt und eines der dreijährigen Kinder muss mal aufs Klo? Überlässt sie die Gruppe sich selbst oder lässt sie das Kind allein?
Von Simone Weil

Diese Fragestellung findet Oana Georg gar nicht weit hergeholt. Die Elternbeiratsvorsitzende der Dietzenbacher Kindertagesstätten weiß vom Personalmangel und vom hohen Krankenstand, der in den elf städtischen Einrichtungen bei einem Betreuungsschlüssel von 2,5 Erzieherinnen für 25 Kinder schnell zu eklatanten Engpässen führt. .
In der Kita X (Bieberbau) an der Kurt-Schumacher-Allee, die ihr fünfjähriger Sohn besucht, ist die Leitungsposition wegen des Ruhestands der früheren Chefin derzeit unbesetzt. „Das heißt: Im Moment machen die anderen Erzieherinnen diese Arbeit mit“, sagt die Elternbeiratsvorsitzende. Weil diese Regelung aus Sicht der Eltern sehr unbefriedigend und die Gesamtsituation Oana Georg zufolge inzwischen dramatisch ist, ist sie froh, dass das Anliegen nun politische Unterstützung bekommt. „Ich kämpfe schon lange dagegen.“

Es dürften etwa 20 Mitarbeiterinnen sein, die in den Kitas fehlen

Denn das Dreierbündnis aus SPD, Grüner Dietzenbacher Liste (GDL) und WIR-Bürger für Dietzenbach hat eine Vorlage an die nächste Stadtverordnetenversammlung erarbeitet, in der die Personalaufstockung in den Kindertagesstätten gefordert wird. Außerdem sollen auch „flexibel zu buchende Betreuungszeiten mit entsprechenden Gebühren“ eingeführt werden.
Wie SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrike Alex erläutert, sei die Verbesserung der Betreuungssituation ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit im Bündnis. Die beiden Anträge gingen „Hand in Hand“ und seien das Ergebnis vieler Gespräche mit den Eltern. Über den Daumen gepeilt, dürften es etwa 20 Mitarbeiterinnen sein, die in den Kindertagesstätten fehlten, schätzt die Kommunalpolitikerin. Trotz Fachkräftemangels und leerer Kassen müsse man alle Anstrengungen unternehmen, um mehr Personal einzustellen. Dieser Ansatz sei nachhaltig und zukunftsgestaltend. „Weil es um unsere Kinder geht, besteht Handlungsbedarf“, meint die Sozialdemokratin. Die Eltern hätten das sehr drastisch geschildert und sich beschwert, dass sie angerufen würden, wenn jemand krank sei und gebeten würden, ihre Kinder möglichst frühzeitig abzuholen. „Das ist keine verlässliche Betreuungssituation.“
Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU), in dessen Zuständigkeit die Kindertagesstätten fallen, mochte sich mit Blick auf die bevorstehenden Beratungen für den Haushalt 2012 noch nicht öffentlich äußern. Diesen wolle er nicht vorgreifen. Doch, so viel könne er immerhin sagen, auch im Fachbereich seien Überlegungen angestellt worden, das Personal aufzustocken.