Unterstützung in Lebenskrisen

Main-Netz.de 08.07.2011

Unterstützung in Lebenskrisen

Beratung: Sozialdezernent Carsten Müller zieht Bilanz - Mehr prekäre Beschäftigungsverhältnisse

Kreis Offenbach
Neuerlich bewährt hat sich nach Aussage von Carsten Müller (SPD), Sozialdezernent im Kreis Offenbach, im vergangenen Jahr das in drei regionalen Zentren aufgestellte Beratungsangebot zur Unterstützung in Lebenskrisen.

Laut Müller suchten insgesamt 2715 Menschen die Beratungszentren West in Dreieich, Mitte in Dietzenbach oder Ost in Rodgau-Nieder-Roden mit der Außenstelle im Seligenstädter Sankt-Josefs-Haus auf. Die Frequenz lag damit um 114 Besucher niedriger als 2009 - für Müller unter anderem eine Folge der Konjunkturerholung.
Denn mit 156 Fällen weniger ging nach den Unterlagen des Dezernenten in erster Linie die Inanspruchnahme der Schuldnerberatung zurück. »Ein Faktor ist hier sicherlich die konjunkturelle Erholung gewesen«, so Müller. 1492 Menschen suchten 2010 Hilfe in finanzieller Not. 1078 Beratungsfälle entfielen auf die Erziehungsberatung, die Suchtberatung habe 145 neue Fälle angenommen. Hinzu kommt die Inanspruchnahme von weiteren in den Zentren fachlich vertretenden Beratungsbereichen wie Ehe- und Familienberatung und der neu eingerichteten Täterberatung bei Gewalt in der Familie.

Investition in die Zukunft
Die Kosten der drei Beratungszentren trägt mit rund 1,6 Millionen Euro überwiegend der Kreis Offenbach - »weil wir damit in Familien, das heißt in die Zukunft unserer Region investieren«, betonte der Sozialdezernent. Für Familien mit mehreren Problemlagen wie etwa Sucht- und Schuldenproblematik bestehe die Möglichkeit zu kompetenter Unterstützung aus einer Hand. Das Konzept sei in den vergangenen Jahren voll aufgegangen, »die Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache.« Insgesamt hätten sich seit der Gründung 2006 - zunächst des Beratungszentrums Mitte - rund 11 000 Bürger an die insgesamt 25 Mitarbeiter der Stützpunkte gewandt.
Die Bedeutung der Beratungszentren spiegelt sich aus Sicht Müllers in bundesweiten Zahlen. Die von den Amtsgerichten gemeldeten Verbraucherinsolvenzen seien laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2010 bundesweit um 7,7 Prozent gestiegen. Knapp neun Prozent der Bevölkerung im Kreis Offenbach sei im vergangenen Jahr überschuldet gewesen, bundesweit habe die Quote sogar bei 9,5 Prozent gelegen.
Nach dem aktuellen Schuldneratlas stünden 2010 rund 25 000 überschuldeten Bürgern im Kreisgebiet etwa 1500 Ratsuchende in der Schuldnerberatung gegenüber. »Neu beraten wurden demnach rund sechs Prozent der Zielgruppe«, sagte Sozialdezernent Müller und meinte weiter: »Auch das ist durchaus ein Erfolg«. Ursachen von Überschuldung sind nach den Feststellungen der Beratungsfachkräfte zunehmend altersabhängig. Jüngere Menschen geraten demnach am häufigsten durch Arbeitslosigkeit und unwirtschaftliche Haushaltsführung in Not, Menschen mittleren Alters durch Trennung oder Scheidung sowie durch gescheiterte Selbstständigkeit. Ältere landen besonders häufig wegen gesundheitlicher Probleme in der Schuldenfalle.

Mit Jobcenter kooperieren
An der Spitze aller Ursachen steht laut Müller die Arbeitslosigkeit. Daher kooperiere das kommunale Jobcenter Pro Arbeit besonders eng mit den Beratungszentren. Sorgen bereite die wachsende Zahl von Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen: »Aktuell gibt es im Kreis trotz boomender Konjunktur 4500 sogenannte Aufstocker«. Die sei »der Beweis, dass der flächendeckende Mindestlohn überfällig ist«. kko