"Wir können kein Kind zurücklassen"

OP - 2. Februar 2011

"Wir können kein Kind zurücklassen"
Generalsekretär Michael Roth beim SPD-Neujahrsempfang

von Nina Beck

Dietzenbach - Neujahrsempfänge mag er gerne, sagt Michael Roth, SPD-Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär der hessischen Sozialdemokraten. Denn diese böten "eine gute Möglichkeit, sich mal von der Phrasendreschmaschine zu befreien". Ausdrücklich sei er gebeten worden, beim SPD-Neujahrsempfang in der "Linde" keinen Wahlkampf zu machen, aber darüber sprechen.
"Die lokale Demokratie ist die wichtigste Säule des Gemeinwesens", sagt er etwa, und "Wahlkampf die Hochzeit der Demokratie". Deren wichtigsten Säulen wiederum: Streit und Kompromiss. Doch gerade Letzteres "fällt uns Sozialdemokraten oft so wahnsinnig schwer", bemerkt er selbstkritisch. Dass jeder auf den anderen zugehen müsse, besonders in den Lokal Parlamenten, die oft mit vielen unterschiedlichen Parteien bestückt sind, sei "pure Selbstverständlichkeit" und "unausweichlich um überhaupt voranzukommen", so der Nordhesse. Wahlkampf könne auch ein "Wettbewerb der Ideen sein".
Und so bleiben bei seiner scheinbar wahlkampffreien Rede denn auch die Ideen nicht außen vor. Zunächst erinnert er daran, dass "alle, gleich welcher Partei, in einem Boot sitzen", gemeinsam mit Vereinen und anderen Initiativen: "Wir alle leiden darunter, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich zu engagieren", so Roth, der gleichsam Jung wie Alt ermuntert, aktiv zu werden, sich einzubringen und auch füreinander einzutreten, Gleichsam mahnt er: "Wenn die finanzielle Unterstützung seitens der Kommunen immer geringer wird, dann hat irgendwann gar keiner mehr Lust, sich zu engagieren."
Auch das Thema Integration klingt an, wobei Roth von einer "Kultur der Einladung" spricht, die geprägt werden solle. Jedoch müssen auch demokratische Regeln beachtet werden, etwa die "Gleichberechtigung von Mann und Frau". Und neben der eigenen Sprache sollte auch die deutsche beherrscht werden. Von einem Miteinander ist die Rede, von Geben und Nehmen, Fördern und Fordern, und auch davon, dass der Weg zu Chancengerechtigkeit im Bildungswesen noch lange nicht zu Ende bestritten ist. "Wir leben in einem Land mit sinkenden Bevölkerungszahlen. Wir können kein Kind zurücklassen, wir brauchen jedes", sagt Roth - um dann doch einige zuvor schon von Fraktionsvorsitzenden Peter Gussmann vorgebrachten Wahlkampfthemen kurz anzuführen: besere Betreuungsschlüssel für die Kitas und dort einen kostenlosen Mittagstisch, mehr U3-Plätze, Bildungsgerechtigkeit.
Zum Schluss wünscht der Generalsekretär, wieder ganz Wahlkampffrei, "eine lebendige Demokratie, ein fröhliches Miteinander, einen ordentlichen Streit und für Dietzenbach eine gute Zukunft.

Die Genossen (von links): Ortsvereinsvorsitzender Stefan Schmitt, Bundestagsabgeordneter Michael Roth, Juso-Chef Filippos Kourtoglou und Fraktionsvorsitzender Peter Gussmann (Foto: tsk)