Biohof soll verkauft werden

OP-Online - 24.11.2012

Dietzenbach - Scheibchenweise kommen die Absichten der Lokalpolitik ans Tageslicht, nachdem sie seit Monaten über mehr Einnahmen und weniger Ausgaben diskutiert. SPD und WIR-BfD beantragen, dass die Stadt die „Linde“ und das Göpfert-Haus behält. Von Christoph Zöllner

Im Zuge des Kommunalen Schutzschirms, für den Dietzenbach seinen Sparwillen unter Beweis stellen muss, kommt ein Verkauf des Wirtshauses „Zur Linde“ und des Reinhard-Göpfert-Hauses nicht infrage. Jedenfalls wenn es nach dem Willen von SPD und WIR-BfD geht. „Wir wollen damit klare Verhältnisse schaffen“, begründete SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrike Alex die Anträge, über welche die Stadtverordneten am Freitag, 14. Dezember, abstimmen.

Die beiden Fraktionen fordern die Stadt auf, die Suche nach einem geeigneten Pächter für die „Linde“ fortzusetzen. Seit nunmehr fast einem Jahr steht das Traditionslokal mit großer Außenterrasse leer, nur die Musik- und Gesangvereine nutzen den Saal zur Probe. Der Stadt gelang es bislang nicht, einen Käufer oder neuen Wirt zu finden. SPD und WIR-BfD begründen das Festhalten an der Immobilie auch damit, dass die Stadt das Gebäude vor zehn Jahren aufwendig um- und ausgebaut hatte. „Die Linde ist ein fester Bestandteil der Geschichte Dietzenbachs und dient vielen Vereinen für Übungsstunden und Veranstaltungen“, argumentieren die Fraktionen.
Gut erreichbar und ebenertig

Für das Reinhard-Göpfert-Haus spricht aus ihrer Sicht vor allem, dass das Gebäude ebenerdig und daher für Ältere und Behinderte gut erreichbar ist. Bei großen Veranstaltungen könnten Küchen und Schankraum verwendet werden. Im Zuge des städtischen Raumnutzungskonzeptes, so SPD und WIR-BfD, solle ein besserer Ausnutzungsgrad erreicht werden. Außerdem seien die Einnahmen zu erhöhen.

Das Göpfert-Haus hatte zuletzt immer wieder für Debatten gesorgt, da der Stadtverwaltung zufolge ein Sanierungsstau von rund 700.000 Euro besteht, was die regelmäßigen Besucher der Altentagesstätte anzweifeln. Ulrike Alex geht davon aus, dass es im Stadtparlament eine Mehrheit für den Erhalt der „Linde“ und des Göpfert-Hauses geben wird.

Während sich die GDL diesen beiden Anträgen nicht anschließen wollte, sind sich die drei Bündnisfraktionen beim Thema Biohof einig. Das zwölf Hektar große Anwesen soll verkauft werden. Hierfür gibt es auch einen Interessenten. Damit liegt das Bündnis auf der Linie von Bürgermeister Jürgen Rogg, der sich bereits Anfang des Jahres für einen Verkauf des Biohofs stark gemacht hatte: „Wir können ihn nicht nutzen und brauchen das Geld.“
Irrungen und Wirrungen

Ende der 80er Jahre wollte eine Bürgerbewegung einen Aussiedlerhof im Westen der Dietzenbacher Gemarkung in einen Biohof umwandeln, um die Bevölkerung mit chemiefreien Waren versorgen zu können. Und die rot-grünen Koalitionsverhandlungen machten es möglich. 1990 übernahm ein Ehepaar aus dem Vogelsberg den Aussiedlerhof an der verlängerten Feldstraße. Doch Irrungen und Wirrungen zwischen Pächtern und Stadt machten die Pläne vom Bio-Hofladen zunichte. Nach einigem Hin und Her ermöglichte die Stadt dem Ehepaar, eine Pferdepension zu betreiben. Der Versuch, das Ehepaar vorzeitig aus dem Pachtvertrag zu entlassen, scheiterte.

Ab 2015 – so lange läuft noch der Vertrag – will eigentlich ein neuer Verein das Domizil in den „Erlebnishof Kreis Offenbach“ verwandeln. Vor allem Schüler sollen die Möglichkeit erhalten, auf dem Lernbauernhof in den Löcherwiesen Einblicke in die Landwirtschaft zu erhalten. Ganze Familien könnten sich dort erholen und die Natur erleben und genießen (wir berichteten). Fraglich ist aber, ob der Verein für sein Vorhaben Sponsoren findet. Vor vier Jahren war der „Biohof“ inklusive landwirtschaftlicher Flächen auf 1,16 Millionen Euro taxiert worden. Ulrike Alex beurteilt die Situation ganz pragmatisch: „Wer’s bezahlen kann, der kauft ihn.“