"Demokratie hat keinen Schaukelstuhl" - 14.03.12

FR-Online - 14.03.2012

Ex-Minister Müntefering und Sozialdezernent Müller wollen Senioren aktivieren.

Leerstehende Blocks und entvölkerte Dörfer wird es im Kreis Offenbach so schnell nicht geben. Klar zeigt die gestern vom Kreissozialdezernenten Carsten Müller (SPD) vorgestellte Aktualisierung des Altenplans aber, dass sich die Alterszusammensetzung der Bevölkerung schon in den kommenden 20 Jahren stark ändern wird.
Besonders stark wird der Anteil der Menschen über 80 steigen, was Auswirkungen auf den prognostizierten Pflegebedarf mit sich bringt. Eine Veränderung bringe auch, dass der Anteil der Migranten unter den Älteren wächst. Die einst als Gastarbeiter gekommenen Menschen blieben schließlich in der Mehrzahl in ihrer neuen Heimat.
Als wichtige Aufgabe sieht es Müller, die älteren Menschen zu aktivieren, etwa über die Seniorenbeiräte, Seniorengenossenschaften und die Sportvereine. Wichtig sei ein Miteinander der Generationen, bei dem Ältere ihre Erfahrung einbringen können und die Jungen für die Sicherheit der Rente sorgen.
Dass immer mehr Menschen auch im Alter noch fit sind, nannte der frühere SPD-Parteichef und Bundessozialminister Franz Müntefering am Vorabend bei einer Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion im Dietzenbacher Kreishaus eine Riesenchance für die Gesellschaft. Sie sollten sich nach Ansicht des 72-Jährigen aber auch in die Gesellschaft einbringen.
„Wenn wir alle zwei Jahrzehnte auf Mallorca sind, geht das nicht gut“, sagte Müntefering vor gut 100 Zuhörern. „Demokratie hat keinen Schaukelstuhl. Solange der Kopf klar ist, bist Du mitverantwortlich“, sagte der Bundestagsabgeordnete, der mit seiner Berliner Fraktionskollegin Sabine Bätzing eine Arbeitsgemeinschaft über den demografischer Wandel leitet.
Müntefering warnte davor, über die sinkende Kinderzahl zu jammern, sondern plädierte dafür, stattdessen die Kinder, die in Deutschland leben, zu fördern. Als Ziel nannte er etwa, dass weniger Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. Der Bund müsse die Kommunen so stärken, dass sie die Aufgaben, die im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung stehen, auch bewältigen können.
Der demographische Wandel bedeute auch für den Kreis Offenbach eine große Herausforderung, sagte Müller am Montag. Diesem fehle dafür aber das Geld. Müller warb deshalb für höhere Steuersätze.