Mehr Personal bei freiem Träger - 27.03.12

OP-Online - 27.03.2012

Dietzenbach -  Im städtischen Haushalt sind sie ein dicker Brocken, in ihrer Bedeutung für die Zukunft aber völlig unstrittig: Kindertagesstätten kosten viel Geld, Sparpotenzial ausgeschlossen. Von Barbara Scholze

Im Gegenteil: Dem Ruf nach mehr Erzieherinnen mit mehr Zeit fürs Kind schließen sich die meisten Politiker an.
Auf die Suche nach Möglichkeiten, den Stadtsäckel zu entlasten, ohne an der pädagogischen Qualität zu kratzen, hat sich mit ihren Kooperationspartnern GDL und SPD auch die WIR-BfD-Fraktion begeben. Einem Antrag an das Stadtparlament zufolge soll sich die Verwaltung auf die Suche nach freien Trägern machen, die Dietzenbacher Kitas übernehmen könnten (wir berichteten).
Nach dem Besuch einer vom Arbeiter-Samariter-Bund Mittelhessen (ASB) getragenen Kita in Offenbach haben die Bürger für Dietzenbach nun Referenten des ASB zu einer Informationsveranstaltung in die Kreisstadt geholt. „Erste finanzielle Vergleiche lassen ein Einsparpotenzial im hohen fünfstelligen Bereich für eine Kita möglich erscheinen“, hatte Fraktionsvorsitzender Harald Nalbach im Vorfeld angekündigt. „Es geht nicht darum, mit den Kommunen in einen Wettbewerb zu treten. Ein freier Träger kann aber möglicherweise in verschiedenen Bereichen kostengünstiger arbeiten, ohne dass es zulasten der Qualität geht“, betonte Helmut Trebus vom ASB Mittelhessen bei der Veranstaltung.

Viel Bewegung ermöglichen

Zwei Kindertagesstätten betreiben die Samariter in Offenbach, hessenweit sind es rund 30. „Wir führen alle Einrichtungen nach einem pädagogischen Musterkonzept, das standort- und bedarfsbezogen weiterentwickelt werden kann“, berichtete Projektleiterin Marion Ring. Schwerpunkte in der Arbeit seien Psychomotorik und Sprachförderung. Nach der Formel vom Raum als dritter Erzieher sind Gebäude und Mobiliar so konzipiert, dass sie viel Bewegung ermöglichen. Die Spracherziehung erfolgt nach der so genannten Immersionsmethode, bei der die Kinder geradezu in Sprache „gebadet“ werden. „Die partnerschaftliche Elternarbeit macht fast die Hälfte der Gesamttätigkeit der Pädagogen aus“, so Ring.
Mit dem Wohlklang dieser Beschreibungen im Ohr galt eine der ersten Fragen in der anschließenden Diskussion dem Personalschlüssel. Notwendig nach der Mindestverordnung sind rein rechnerisch zwei Erzieher pro Hortgruppe und 1,75 Pädagogen in der Kita-Gruppe. „Das reicht aber gerade für die reine Arbeit am Kind“, sagte Ring. Der ASB halte daher bei täglichen Öffnungszeiten von 7 bis 17 Uhr 20 Prozent mehr vor, unter anderem für Elternarbeit und Vorbereitung. Bei Ausfall und Krankheit greife das Arbeitszeitkonto-Modell des ASB: „Damit können wir flexibel reagieren.“

„Mindestens die gleiche Leistung wie städische Kitas“

„Natürlich wünschen auch wir uns eine bessere personelle Ausstattung, zumal die Mindestvoraussetzungen in Dietzenbach gerade so eingehalten werden“, sagte Daniel Kerem-Weinberger, Vorsitzender des Stadtelternbeirates. Indes frage er sich, wie sich das finanzieren lasse. Unter anderem seien die Landeszuschüsse für freie Träger höher als für Kommunen, erläuterte die Projektleiterin. „Außerdem können wir die sehr teuren Fortbildungen über unsere eigene Organisation abdecken.“ Das Gehalt der ASB-Erzieherinnen sei möglicherweise etwas geringer als in städtischen Einrichtungen, „dafür gibt es aber Ausgleiche, etwa beim 13. Monatsgehalt, der Altersversorgung oder der Arbeitszeit für ältere Mitarbeiterinnen“.
Er sei überzeugt, dass in den städtischen Kitas das Beste geleistet werde, betonte Trebus in seinem Fazit. „Aber wir bringen mindestens die gleiche Leistung und können vielleicht manches zusätzlich ermöglichen“.