Mehrheit für Rathaus-Filiale steht

OP-Online - 22.06.2013

Dietzenbach - Nachdem es zuletzt so schien, als ob dem Bürgerservice in der Altstadt allenfalls noch eine Gnadenfrist bis zum Jahresende vergönnt wäre, hat sich das Blatt nun gewendet. Von Christoph Zöllner

SPD, GDL und WIR-BfD sind dafür, dass das städtische Wappen auf dem Roten Platz erhalten bleibt, obwohl für das nächste Jahr bereits Einsparungen unterm Rettungsschirm eingeplant waren.

Die parlamentarische Mehrheit aus SPD, GDL und WIR-BfD hat sich in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses dafür ausgesprochen, die Rathaus-Filiale am Roten Platz auch im nächsten Jahr noch offen zu halten. Die Entscheidung fällt am Freitag, 28. Juni, im Stadtparlament.

Ein Einzelhändler habe ihm gesagt, dass die Schließung der Einrichtung „der letzte Nagel im Sarg“ für die Altstadt wäre, berichtete Jens Hinrichsen (GDL) in Anspielung auf den Leerstand am Roten Platz. „Wir brauchen unbedingt ein Konzept“, sagte Hinrichsen. Er würde auch gerne wissen, wie viel die Stadt noch an Gewerbesteuer in der Altstadt einnehme.
Händler geben Politik Mitschuld

„Wir können die Geschäfte dort nicht selbst betreiben“, sagte CDU-Chef Helmut Butterweck, der sich gegen die Kritik von Händlern wehrte, die der Politik eine Mitschuld an der Entwicklung geben. Es sei nicht sinnvoll, so Butterweck, den Bürgerservice weiter zu betreiben, da er keine zusätzlichen Kunden in die Altstadt locke. „Lasst uns Verantwortung übernehmen“, appellierte Butterweck an die Stadtverordneten. Die Filiale solle schon im September und nicht erst zum Jahresende geschlossen werden.

Wie schon berichtet, fordert die Kommunalaufsicht schon seit Jahren, dass Dietzenbach aufgrund der miserablen Haushaltslage das Büro am Stadtbrunnen dicht macht. Im Schutzschirm-Vertrag mit dem Land sollen mit diesem Posten im nächsten Jahr 26 160 Euro eingespart werden. Bürgermeister Jürgen Rogg zufolge könnte auch noch eine Stelle wegfallen, was noch einmal bis zu 40.000 Euro weniger an Ausgaben bedeuten würde. „Diese Einsparung will ich erstmal sehen“, gab sich Hinrichsen skeptisch.
Wirtschaftsförderung bereitet einiges vor

Rogg teilte mit, dass sich die Stadtverwaltung derzeit mit der Zukunft des Einzelhandels in der Altstadt beschäftigt: „Die Wirtschaftsförderung bereitet einiges vor.“ Er erinnerte auch daran, dass es möglich wäre, den Bürgerservice im Rathaus samstags zu öffnen, so wie es seit Oktober 2002 – sehr zur Freude vieler Dietzenbacher – in der Altstadt üblich war. Eigens für diesen Zweck hatte jedoch der Bürgerservice im grundsanierten Rathaus einen separaten Eingang erhalten.

Rogg hatte kürzlich Zahlen präsentiert, die einen Rückgang der Kundenfrequenz in der Altstadt-Filiale belegen. Auch wenn ihn eine Schließung schmerzen würde, so müsse die Stadt angesichts des Spardrucks „in den sauren Apfel beißen“, hatte Rogg gesagt. Bleibt also die Frage, wie die Stadt das Loch stopft, wenn der Bürgerservice in 2014 noch offen bleibt. Auf die Frage des CDU-Abgeordneten Manuel Salomon nach einem alternativen Sparvorschlag hatte das Dreier-Bündnis (noch) keine Antwort.