CDU greift nach beiden Ämtern - 01.12.14

FR-Online - 01.12.2014

CDU greift nach beiden Ämtern
Von Annette Schlegl

Die CDU schickt Bewerber fürs Bürgermeister- und Stadtratsamt ins Rennen. Einstimmig bestimmten die Fraktionsmitglieder Guido Kaupat zum CDU-Bewerber für das Amt des Ersten Stadtrats.

Die Dietzenbacher CDU fährt im Kampf um die Rathausspitze schwere Geschütze auf – sowohl verbal als auch personell. Nachdem Erster Stadtrat Dietmar Kolmer am Freitagabend in der Jahreshauptversammlung fast einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten gekürt wurde, haben die Christdemokraten gleich im Anschluss noch einmal Nägel mit Köpfen gemacht: Einstimmig bestimmten die Fraktionsmitglieder Guido Kaupat zum CDU-Bewerber für das Amt des Ersten Stadtrats.

Einer seiner Gegenkandidaten scheint derweil schon festzustehen: Wie aus gut unterrichteten SPD-Kreisen zu erfahren war, will die SPD Dieter Lang, den Vorsitzenden des Haupt- und Finanzausschusses, ins Rennen schicken. Die Stelle war offiziell ausgeschrieben worden, gestern lief die Bewerbungsfrist ab.

Die Kandidatur von Kaupat zum Ersten Stadtrat kommt für Insider nicht überraschend. Der CDU-Fraktionsgeschäftsführer hatte sich schon andernorts für dieses Amt beworben. Ende September 2013 war er in Mühlheim im Parlament auf dem Wahlzettel für den Ersten Stadtrat zu finden. Erst vor wenigen Tagen hatte der 44-Jährige für Schlagzeilen gesorgt: Die Stadtverordnete Ulrike Alex (SPD) hatte ihn wegen seines Facebook-Likes für den umstrittenen Bestsellerautor Akif Pirinçci kritisiert.

Rogg wusste schon Bescheid

Wie CDU-Fraktionsvorsitzender Helmut Butterweck erklärt, sei die Entscheidung für Kaupat in der Fraktionssitzung, direkt im Anschluss an die Jahreshauptversammlung, zwar einstimmig gefallen, er sei aber nicht der einzige Kandidat gewesen. Es habe auch noch „ein bis zwei externe Bewerber“ gegeben, mit denen man seitens der CDU im Vorfeld „lockere Gespräche“ geführt habe, verrät er. Die Entscheidung sei dann aber doch für einen internen Kandidaten gefallen.

Auf SPD-Seite ist es mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass Dieter Lang im Rennen um das Amt des Ersten Stadtrats seinen Hut in den Ring werfen wird. Er hat sich den anderen Fraktionen der Kooperation schon als Kandidat vorgestellt. Der Marketingleiter eines Pharmaunternehmens fungiert derzeit als Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses.

Für Bürgermeister Jürgen Rogg war Kolmer als Anwärter auf seinen Posten „keine Überraschung“. Er habe die Kandidatur intern immer schon mal verlauten lassen – „jedem, der es hören wollte.“ Das Stadtoberhaupt will von seinem Plan nicht abweichen, erst beim Neujahrsempfang bekannt zu geben, ob er noch einmal antreten wird. „Bis dahin werde ich überlegen“, sagt er. Seine Entscheidung hänge nicht davon ab, „wer noch im Ring ist“.

Sollte er nochmal antreten, wird der Parteilose seinen Wahlkampf wie im Jahr 2009 selbst finanzieren. „Heute könnte ich vielleicht ein paar Helfer mehr haben“, denkt er laut nach. Zu seinen Chancen gegen Kolmer befragt, meint Rogg, auch 2009 habe sich nicht jeder positioniert. Nur die FDP habe sich seinerzeit offiziell zu ihm bekannt, SPD und Grüne gaben keine Wahlempfehlung.

CDU demonstriert Einigkeit

Dietmar Kolmer war bei der Mitgliederversammlung der CDU am Freitag mit 97 Prozent aller Stimmen zum Bürgermeisterkandidaten bestimmt worden. „Das zeigt, dass eine geeinte Partei hinter mir steht, die wieder zusammengefunden hat“, sagt er. Das Wahlergebnis setze auch ein Zeichen für den Kommunalwahlkampf im März 2016.

Dass Wahlkampfquerelen ab jetzt möglicherweise im Rathaus eine Rolle spielen, verneint der 63-Jährige. „Das Eine ist die Zusammenarbeit in der kommunalen Verwaltung, das Andere ist Wahlkampf.“ Dass er am Ende der künftigen Legislaturperiode dann 70 Jahre alt wäre, sieht Kolmer nicht als hinderlich – im Gegenteil: Dietzenbach habe einen Chef verdient, der „eine gewisse innere Gelassenheit und eine gewisse Weisheit“ mit sich bringe.

Bei der vergangenen Bürgermeisterwahl hatte es „zwei Strömungen“ in der CDU gegeben, wie sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Butterweck ausdrückte. Eine Gruppe unterstützte seine Frau Kornelia, die andere Jürgen Rogg. Deshalb hatte er am Freitagabend bei der Abstimmung für Kolmer nach eigenem Bekunden „ein DDR-Ergebnis“ erwartet. „Man hat Einsicht gezeigt, dass das Auseinanderdriften keinen Sinn macht“, sagt er. Jetzt schicke man einvernehmlich ein „Schwergewicht“ ins Rennen.