Ein „Gefällt mir“ zuviel

FR-Online - 27.11.2014

Von Annette Schlegl

Die SPD-Fraktionschefin Ulrike Alex attackiert CDUler Guido Kaupat wegen Facebook-Like für den umstrittenen Bestsellerautor Akif Pirinçci.

Die Dietzenbacher SPD-Fraktionschefin Ulrike Alex ist aufgebracht: Genau zu dem Zeitpunkt, als in der Stadtverordnetenversammlung ein Preis für Völkerverständigung verliehen wurde, fand im Bürgerhaus Dietzenbach eine Veranstaltung statt, die Ausgrenzung zum Ziel hatte. Die AfD organisierte eine Lesung mit dem umstrittenen Bestsellerautor Akif Pirinçci – und Guido Kaupat, der Geschäftsführer der Dietzenbacher CDU-Fraktion, hatte die Seite des rechtspopulistischen und frauenfeindlichen Schriftstellers in Facebook mit „Gefällt mir“ markiert.

Laut Ulrike Alex sei es selbstverständlich gewesen, dass sich Stadtverordnete aus den unterschiedlichen Parteien am gleichen Abend, als sie von den im Bürgerhaus geäußerten Thesen erfuhren, angeekelt und distanziert geäußert hatten. Angesichts Kaupats Facebook-Aktivitäten erwarte die SPD jedoch von der CDU „ein eindeutiges Zeichen ihrer Distanzierung zum Rechtspopulismus“, schreibt die Landtagsabgeordnete in einer Pressemitteilung.

Kaupat sieht Alex‘ Vorwürfe als diffamierend an. Er sei weder ein Freund der Thesen noch der Sprache von Pirinçci, müsse sich aber damit auseinandersetzen, was der AfD die Wählerstimmen bringt. Er selbst sei in der Integrationsarbeit sehr aktiv, sagt Kaupat und betont: „Wenn ich ein erfolgreicher Integrationspolitiker sein will, muss ich alle Stimmen hören.“ Über den „Gefällt mir“-Button könne er weiterreichende Infos erhalten. Im Übrigen habe er nicht nur Pirinçci geliked, „sondern beispielsweise auch die linke Tageszeitung taz“, verteidigt er sich.

Genauso wie Alex habe er die gemeinsame Sitzung der Stadtverordneten mit dem Ausländerbeirat besucht – und nicht die Lesung des Rechtspopulisten.