Gutmütig, gebildet, geschätzt

Offenbach Post - 21.09.2011

Peter Gussmann

Sozialdemokrat Peter Gussmann ist im Alter von 68 Jahren gestorben

Von Nina Beck

Dietzenbach Ein Kosmopolit, ein Menschenfreund ist gegangen. Nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb Peter Gussmann, SPD-Urgestein und langjähriger Fraktionsvorsitzender, am Sonntag im Alter von 68 Jahren. So mannigfaltig seine persönlichen Kontakte und Bekanntschaften – sein Haus war stets ein offenes, stets war er am Menschen interessiert –, so groß ist auch die Betroffenheit über seinen doch plötzlichen Tod; in der Kreisstadt und darüber hinaus. 1943 geboren, war Gussmann als kleines Kind nach dem Krieg mit seiner Familie nach Dietzenbach gekommen, genauer: nach Steinberg. Dort habe er sich „sprachlich schnell angepasst, dass ich keine Dresche bekomme“, hat er sich, wie Weggefährten erzählen, einmal schmunzeld an diese Zeit erinnert. Über den noch jungen Stadtteil Steinberg konnte er gerne und viel erzählen, wie Besucher der Steinberger Erzählcafés sich erinnern. Seine Liebe zur Sozialdemokratie begann früh: 1966, bei den Jusos, galt Gussmann einigen als „ganz linker Rebell“. 40 Jahre später sollte er Fraktionsvorsitzender der Dietzenbacher Sozialdemokraten werden, ein Amt, das er noch bis zur Bekanntgabe seines Rücktritts am Samstag vor einer Woche innehatte. Besonders am Herzen lagen dem Rechtsanwalt, der in Amerika seinen Abschluss gemacht hat und mit seiner Frau Irlis auch ein Jahr in Frankreich lebte, einerseits die jungen Menschen dieser Stadt wie auch ein gutes Miteinander ihrer Bürger. Als Stadtverordnetenvorsteher 2001 in Zeiten des „Bunten Bündnisses“ gewählt, war Gussmann qua seines Amtes Schirmherr des „Runden Tisches für ein humanes Miteinander“. Aber auch lange davor schon und danach war er „unheimlich engagiert“ in diesem Gremium. Zeitweise stand er dem Ausschuss für Soziales, Kultur und Integration vor, und auch der Arbeitskreis Integration lag ihm spürbar am Herzen. Kollegen schätzten Peter Gussmann als langjährigen Kanzler der Fachhochschule Frankfurt. Anfang der 1990er Jahre arbeitete er im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst unter Staatsministerin Evelies Mayer, war in der Arbeiterwohlfahrt im Vorstand aktiv und stellte sein Wissen und seine Erfahrung auch als Ombudsmann für Hartz IV-Angelegenheiten im Kreishaus in den Dienst der guten Sache. Nicht nur der Künstler Valérie Goursky fand in ihm einen hilfreichen Ansprechpartner: Kinder aus Kostjukovitschi waren in seinem Hause oft gesehene Gäste, und auch er selbst besuchte die Partnerstädte gern, nicht zuletzt, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Als neugierigen, interessierten, lebendigen Freund, der sich nicht bevormunden ließ, werden ihn viele Parteigenossen in Erinnerung behalten. Als gutmütigen, gebildeten Mann mit gutem Führungsstil, dem Gerechtigkeit wichtig war. Als Vorbild, wie Weggefährten äußern. Und – auch das gehört dazu – in gewisser Weise ebenso als Unikum mit der einen oder anderen „Schrulle“. Liebenswerten, wohlgemerkt.